Eier

 


 

In Deutschland werden jährlich etwa 11 Milliarden Eier produziert. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei ca. 210 Eiern im Jahr. Wir essen also im Schnitt jährlich 210 mal das Menstruationsprodukt einer Henne.

Moment mal: das Menstruationsprodukt einer Henne? Klingt komisch, ist aber so. Ist doch nichts ekliges dabei wenn man die Periode einer anderen Spezies isst.

 

 

Und weil wir das so gerne machen, machen wir es mit System. Des Geldes wegen natürlich. Möglichtst viele Eier mit dem kleinstmöglichen finanziellen Aufwand erwirtschaften. Also wir lassen erwirtschaften, denn wir können sie nicht selbst legen. Deshalb machen die Hennen das für uns. Was sollten sie auch sonst machen?

 

 

Da uns das aber nicht schnell genug geht, haben wir spezielle Hennen gezüchtet, die, anstatt natürlicherweise üblich maximal 36 Eier pro Jahr, nun bis zu 350 Eier jährlich legen. Und damit die Tiere schneller wachsen, respektive schneller Eier legen können, da sie schneller geschlechtsreif sind und folglicher schneller profitabel, füttern wir sie mit Wachstumshormonen. Leider wachsen die Tierchen dadurch teilweise sehr unproportional und leiden noch mehr, aber das ist nun mal der Preis. Wir müssen ihn ja nicht zahlen.

 

Hühner haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 20 Jahren - unter natürlichen Umständen. Die Legehennen werden nach ca. 1,5 Jahren aussortiert, da die Eierproduktion aufgrund des Raubbaus am Körper danach erheblich nachlässt. Viele schaffen es nicht bis dahin und sterben früher. Zumeist an Krankheiten, an dem ständigen Stress, Herzinfarkt oder weil sie totgetrampelt wurden. Gegenseitig totpicken können sie sich nicht mehr, das verhindern wir, indem wir ihnen sobald sie geschlüpft sind, die Schnabelspitzen abschneiden. Maschinell natürlich. Das geht am schnellsten und ohne Narkose, das kostet nur unnötig Geld. Die jedenfalls, die das alles überlebt haben, werden anschließend zu Suppenhühnern verarbeitet. So kann man auch noch mal ganz gut Geld machen.

 

Um den Bestand an Legehennen zu halten, kommen regelmäßig große Lieferungen mit befruchteten Eiern. Der Schlüpftermin wird ausgerechnet und für diesen Tag werden Spezialisten bestellt, die sehr kostspielig sind. Aber nur die können die geschlüpften Küken in Rekordzeit und buchstäblich am Fließband nach weiblich und männlich aussortieren.  Links die Weibchen, rechts die Männchen.

Die, die auf das rechte Fließband kommen, haben Pech, denn am Ende wartet ein Schredder.

Das muss so sein. Die Männchen können keine Eier legen und da es sich hier um die speziell gezüchteten Hühner handelt, die sehr schnell und sehr große Eier legen, würden sie viel zu langsam und viel zu wenig Brustfleisch ansetzen. Es wäre also absolut unprofitabel die Kleinen am Leben zu halten. Dafür gibt es ja die Masthähne, aber die kommen nur in anderen Fabriken zum Einsatz. Also weg damit!

 

Oft passiert es, dass einige Küken zu spät schlüpfen, wenn die teuren Spezialisten schon wieder weg sind. Die haben leider auch Pech, wir können es uns nicht leisten, hier auch noch mühselig nach Männchen und Weibchen zu selektieren, die kommen alle direkt in Plastiktüten und auf den Müll.

 

Mancher Leser wird sich nun vielleicht fragen, warum ich zu einem solch ernsten Thema so lasch und teilweise sarkastisch schreibe.

Nun, weil es ein ernstes Thema ist, das wir nicht ernst nehmen. Wir sind ja nicht die Opfer. Da ist es leicht, sich zu rechtfertigen, zu entschuldigen, zu verharmlosen.

Nicht aber, wenn man es aus der anderen Sicht sieht.

Ich habe auch absichtlich in der ersten Person Plural geschrieben. "Wir" sind zwar nicht die direkten Täter.

Aber wir kaufen diese "Produkte". Wir geben damit den Herstellern zu verstehen: "wir wollen diese Produkte". Wir unterstützen mit unserem Geld diese Firmen, diese Praktiken und dieses Leid.

Durch dieses Verhalten sind wir zwar nicht die direkten, aber sehr wohl die indirekten Täter. Wir stehen auf der Seite der Täter und lassen die Ungerechtigkeit und Ausbeutung einer anderen Spezies zu.

Wir sind keinen Deut besser. Wir könnten auch gleich die Küken selbst in den Schredder werfen.

 

 

 

Update Oktober 2013: WDR Beitrag zu Eintagsküken

Inzwischen ist einigen klugen Köpfen aufgefallen, dass das Töten der männlichen Küken rechtswidrig ist.  Meinen Glückwunsch erst einmal zu dieser Erkenntnis! Was mit ihnen passieren soll, weiß man aber auch nicht so genau. Es bleibt also spannend! 

 

 

 

 

Quellen:

Wikipedia

Youtubevideo: Massentierhaltung Hühner, Die Ware Tier

Youtubevideo: Leben und Sterben für die Eierindustrie

 

 

Alternativen

 

Die Sache mit dem Ei muss man etwas differenzierter betrachten, denn hier kommt es oft auf den Zweck an, den es im jeweiligen Gericht erfüllen soll.

Geht es nur um die Bindung, zum Beispiel für Kuchen oder Soßen kann man Eier gut durch eine Mischung aus etwas heißem Wasser, verrührt mit Leinsamen, ersetzen. Stärke geht auch in Soßen sehr gut. Aber auch hier wurde fleißig getüftelt und heraus kam ein Ei-Ersatz-Pulver, das man im veganen Onlineshop seines Vertrauens (einige Beispiele in der Linkliste) erstehen kann. Dieses Pulver lässt sich auch aufschlagen.

Geht es um den Geschmack, greift man besser zu "Kala Namak", ein schwarzes Salz aus Indien.

Möchte man gerne Rührei machen, ist man mit "Scramled Tofu" am Start. Es gibt sogar veganes Eigelb zu kaufen. Dazu kann ich aber mangels Erfahrung nichts sagen.

 

 

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